Wie alles begann:

Bild 1: Entdeckung der Wassermühle in Dasing

Bild 1: Entdeckung der Wassermühle in Dasing. Foto: Prof. Dr. Wolfgang Czysz

Am 12. März 1993 kamen bei Ausschachtungsarbeiten für eine Tiefgarage im Paartal bei Dasing im Lkr. Aichach-Friedberg angespitzte Holzpfosten zum Vorschein, die in einer Tiefe von 4,5 m senkrecht in den sandigen Sedimenten alter Flussläufe steckten. Es waren die Reste der drei ältesten Wassermühlen in Bayern, einer römischen aus der Zeit um 100 n. Chr., einer spätmerowingerzeitlichen aus dem Jahr 743 n. Chr. und einer karolingischen aus dem Jahr 840 n. Chr. Abgesehen davon, dass sich zahlreiche Hölzer des Bauwerks und der Mühlenmechanik unter dem Luftabschluss des staunassen Untergrunds erhalten hatten, kamen über 380 Mühlsteinbruchstücke zu Tage. Sie stammen von rund 3o Mühlsteinen. Überraschenderweise kamen sie aus verschiedenen geologischen Revieren Südbayerns. Einige Gesteinsfragmente konnten als „Neubeurer Mühlsandstein“ identifiziert werden, eine Formation, die den Geologen vom Hörer Berg bei Altenbeuern im Lkr. Rosenheim gut bekannt war.

Dies war der Ausgangspunkt für weitere Forschungen an Mühlsteinen und Mühlsteinbrüchen, mit der wir in Bayern Neuland betraten. Auch das Mühlenwesen zählt hierzulande nicht den besser erforschten Zweigen der Wirtschafts- und Handwerksgeschichte. Gerade die Mühlsteine verbinden viele Fächer und Fachrichtungen miteinander, die wichtige Erkenntnisse zu diesem spannenden Thema beitragen. Geologie und Mineralogie, Archäologie, Technikgeschichte, Agrar- und Handelsgeschichte, Volkskunde und Kunstgeschichte.

Im ersten Stadium der Forschung ging es darum, Quellen und Beobachtungen zu Mühlsteinbrüchen systematisch zusammenzutragen, um den Rahmen einer „Mühlsteinerforschung“ abzustecken. Die ersten Feldforschungen ergaben zu unserer Überraschung ein Dutzend weiterer, bisher unbekannter Plätze in der Umgebung von Altenbeuern, an denen Mühlsteine in kleinerem Umfang gebrochen worden waren. Um diese Situation im Inntal besser zu verstehen, haben wir das Projekt auf den Raum zwischen Neubeuern, Oberaudorf und Brannenburg ausgeweitet. Durch die Untersuchung besonders der Steinbrüche um Altenbeuern konnten wir erstmals Einblicke in die Rohstoffsituation einer Landschaft gewinnen, in die historische Entwicklung des Steinhauerhandwerks und ihre Abbautechniken sowie in den Handel mit Mühlsteinen.

Bild 1 oben: 1993 wurden beim Tiefgaragenbau in Dasing zwei frühmittelalterliche Wassermühlen entdeckt. Im Bild die Pfosten und Holzreste der Wassermühle des 8. Jahrhunderts

Bild 2 unten: Steinbruchstücke aus Neubeuern, die in Dasing verwendet wurden

Der Initiator

Prof. Dr. Wolfgang Czysz

Prof. Dr. Wolfgang Czysz

Prof. Dr. Wolfgang Czysz, Jahrgang 1949. Archäologe am Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Referats- und Dienststellenleiter bis 2014, Universitätsdozent seit 1990 am Institut für Archäologien, Fachbereich für Klassische und Provinzialrömische Archäologie der Universität Innsbruck.

Die Bedeutung der Inntaler Mühlsteinbrüche wurde durch die Entdeckung und Ausgrabung der frühmittelalterlichen Wassermühlen (7.-9. Jh.) in den Jahren 1993/94 in Dasing erkennbar. Im Zug der Aufarbeitung der gefunden Mühlsteinfragmente machte der Geologe auf die Bruchstücke aus Neubeurer Mühlsandstein aufmerksam. Die Geländeprospektion in Altenbeuern und seinem Umland erbrachte zahlreiche neue Erkenntnisse zum mittelalterlichen Mühlsteinabbau am Inn. Dabei zeigte sich auch, dass der eindrucksvolle Steinbruch von Altenbeuern und die Brüche am Bürgl sowie die Wolfsschlucht in Neubeuern als obertägige Denkmäler der Technik- und Handwerksgeschichte mehr Aufmerksamkeit verdienten. Die Ergebnisse der Geländeforschungen sollten in einer Broschüre für Bürger und Gäste zusammengefasst werden. Dazu beantragten die Gemeinden Neubeuern, Brannenburg, Nußdorf a. Inn, Oberaudorf und Bad Feilnbach gemeinsam und mit Unterstützung der Managerin Dr. Ursula Diepolder Finanzmittel. Gefördert durch das Bayer. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) erschien 2014 ein Geländeführer und eine umfangreiche Broschüre, die die Geschichte der Mühlsteinbrüche im Inntal und die Techniken des Mühlsteinabbaus beschreibt.

Broschüre Steinhauer im oberbayerischen Inntal

Broschüre Steinhauer im oberbayerischen Inntal

Broschüre Steinhauer im oberbayerischen Inntal

Alle Texte dieser Internetseite in den Seiten Einführung und Geschichte sind der Broschüre Steinhauer im oberbayerischen Inntal von Prof. Dr. Wolfgang Czysz entnommen. Diese Broschüre erhalten Sie in den Touristinfos von Oberbaudorf, Brannenburg, Nußdorf und Neubeuern solange der Vorrat reicht.

Mittelalterliche Mühlsteinbrüche im bayerischen Inntal

Käuflich erwerben können Sie diese Broschüre über das Internet im Likias Verlag in Friedberg bei Augsburg. Klicken Sie hier>>